Schwermetallvegetation in der Nationalparkregion
Ein unbekanntes Kapitel der Harzer Pflanzenwelt
Weltbekannt ist sie und Botaniker aus aller Welt kommen in den Harz, um sie zu besichtigen und zu studieren. Doch sie ist zu unscheinbar, um als Sensation vermarktet zu werden: die Harzer Schwermetallflora. Es sind nur zwergenhafte Pflanzen, doch sie können kleine Wunder vollbringen – nämlich auf Böden mit extremen Schwermetallgehalten wachsen und große Mengen dieser Schwermetalle anreichern, ohne selbst Schaden zu nehmen. „Schwermetallanzeigende Pflanzen“ werden sie daher auch genannt. So war es an der Zeit, dass dieses einmalige Stück Harzer Bergbau-Folgenatur einmal wieder publikumswirksam und im Zusammenhang dargestellt wird.
Namhafte Experten, neben Prof. Wilfried H.O. Ernst von der Freien Universität Amsterdam, Prof. Hartmut Dierschke, Universität Göttingen und Prof. Ewald Schnug, Julius Kühn-Institut Braunschweig, auch die Nationalparkmitarbeiter Dr. Hans-Ulrich Kison und Dr. Friedhart Knolle, beschreiben im Heft 1, Band 10 der Braunschweiger Naturkundlichen Schriften eine Exkursion zu zahlreichen Standorten der Schwermetallvegetation im Harz. Das Gebirge ist reich an Metallerzen und weist zahlreiche Spuren ehemaliger Bergbauaktivitäten auf. Der Erzbergbau hat sowohl im Gebirge selbst als auch in den Flusstälern, deren Gewässer aus dem Harz gespeist werden, zu örtlich extremer Schwermetallkontamination geführt. Die heutige Vegetation der Gegend spiegelt dies wider. Dieser Exkursionsführer beschreibt eine Route durch die Harzregion, entlang derer Spuren des Bergbaus sowie die dadurch geprägte Vegetation studiert werden können.
Die Exkursion startet am Weltkulturerbe Rammelsberg. Westlich von Oker befinden sich die Absitzbecken des Bollrichs – ein dauerhaftes Zeugnis der Erzaufbereitung des Rammelsbergs. Ein Stopp an den Flussufern der Oker gibt die Möglichkeit, eine gut entwickelte und sehr artenreiche Variante der Galmeigrasnelken-Gesellschaft auf schwermetallangereicherten Flusssedimenten zu studieren. Im Eckertal wie auch im Gebiet um Langelsheim haben sich typische Schwermetall-Pflanzengesellschaften auf Schlackehalden entwickelt und bei Lautenthal wachsen diese Pflanzen auf Abraumhalden des Metallerzbergbaus am Kranichsberg. Der Einfluss von Emissionen aus der ehemaligen Silber- und Bleihütte „Frankenscharrnhütte“ bei Clausthal-Zellerfeld ist noch immer an der Vegetation zu erkennen. In Sankt Andreasberg kann im Silbererzbergwerk Samson die letzte funktionstüchtige „Fahrkunst“ der Welt besichtigt werden. In der Umgebung dieser Grube finden sich anschauliche Beispiele einer an arsenreiche Böden angepassten Vegetation.
Die Veröffentlichung „Friedhart Knolle, Wilfried H. O. Ernst, Hartmut Dierschke, Thomas Becker, Hans-Ulrich Kison, Sylvia Kratz und Ewald Schnug: Schwermetallvegetation, Bergbau und Hüttenwesen im westlichen GeoPark Harz – eine ökotoxikologische Exkursion“ ist erschienen im Heft 1, Band 10 der Braunschweiger Naturkundlichen Schriften, 44 S., ISSN 0174-3384, Bezug: Staatliches Naturhistorisches Museum Braunschweig, Pockelsstraße 10, 38106 Braunschweig, Tel. 0531/28892-0, Fax 0531/28892-50, Preis 10 Euro zzgl. Versand.
Informationen zur Schwermetallvegetation finden Sie auch in dem Faltblatt:
Mittelalterliche Schlackehalden und Naturschutz
PDF (nicht barrierefrei), 3,39 MB